Panorama

Ta­bus - War­um wir über man­che Din­ge nicht re­den

Wir leben im 21. Jahrhundert. Wir sind mobil, vernetzt und fast immer online. Wir reisen rund um den Globus und sind durch Internet und soziale Medien mit der ganzen Welt verbunden. Und dennoch gibt es Themen, über die wir nicht sprechen. Sexualität, Geld, Krankheit und Tod sind neben anderen Themen tabu, obwohl sie uns alle betreffen. 

Was ist ein Tabu? 

Das Wort Tabu stammt vom polynesischen Wort “tapu” ab und bedeutete dort ursprünglich „unter Verbot stehen“. Ein Tabu ist sowas wie ein Gebot, an das wir uns halten sollen. Eine Absprache untereinander, die das Miteinander in einer Gruppe regelt. Tabu ist, was sich nicht gehört. Tabu ist, was wir nicht tun oder sagen, vielleicht nicht einmal denken sollten. Aber nicht jedes Tabu ist auch gesetzlich verboten. Es ist also eine Art ungeschriebenes Gesetz. Zum Beispiel picknicken oder joggen wir nicht unbedingt auf einem Friedhof. Tatsächlich ist das auf vielen Friedhöfen nicht verboten. 

Warum gibt es denn überhaupt Tabus? 

Tabus sind stillschweigende Übereinkünfte, die unser Miteinander regeln. Wir brauchen Tabus. Denn bestimmte Dinge tun oder sagen wir einfach deshalb nicht, damit sie niemanden verletzen oder beschämen. Die meisten Tabus bedeuten vor allem Respekt vor der Person und der Privatsphäre unserer Mitmenschen. Wir werden dadurch aber auch selbst geschützt. Denn jeder Mensch hat das Recht auf Privatsphäre. 

Nicht in allen Ländern gibt es wie bei uns das Recht auf Meinungsfreiheit und Beteiligung und das Recht zu demonstrieren. In manchen Ländern, zum Beispiel einer Diktatur, sind bestimmte Tabubrüche mit Gefahren verbunden. Menschen, die hier offen ihre Meinung sagen oder auf die Straße gehen, um sich für ihre Rechte einzusetzen, können bedroht, verletzt oder inhaftiert werden.  

Verändern sich Tabus mit der Zeit? 

Tabus verändern sich, weil sich auch die Dinge verändern, die uns wichtig sind, die uns beschäftigen und über die wir (endlich) sprechen möchten. Damit sich ein Tabu verändert, braucht es eine Person, die sich traut, dieses Tabu anzusprechen. Eine solche Veränderung kann Jahrzehnte, manchmal sogar Jahrhunderte dauern. Manche Tabus verschwinden völlig zu Recht. Es war beispielsweise lange Zeit absolut tabu, das Thema Gewalt in der Familie anzusprechen. Die Betroffenen haben sich geschämt. Dieses Tabu schützt aber vor allem die Täterinnen und Täter, nicht die Opfer. Inzwischen wird in vielen Ländern über häusliche Gewalt gesprochen. Denn Kinder haben laut Artikel 19 der UN-Kinderrechtskonvention das Recht auf ein gewaltfreies Aufwachsen.  

Manchmal verändern wir unser Verhalten auch nur vorübergehend. So ist es in Corona-Zeiten üblich, dass wir weniger Menschen die Hand geben oder umarmen, damit wir uns nicht gegenseitig anstecken. Das wird hoffentlich auch wieder anders. 

Warum Eltern mit ihren Kindern über manche Dinge nicht reden 

Jeder Mensch hat das Recht, frei zu entscheiden, mit wem er über was reden möchte oder eben auch nicht. Denn jeder Mensch, also auch jedes Kind, hat das Recht auf Privatsphäre. Das steht in Artikel 16 der UN-Kinderrechtskonvention. Aber Geheimnisse und Unausgesprochenes können auch zum Problem werden. 

Manchmal wissen Eltern einfach nicht, wie sie mit ihren Kindern über schwierige Dinge sprechen sollen. Aus Scham über das Geschehene oder aus Angst, missverstanden oder abgelehnt zu werden, reden sie gar nicht darüber. Oft wollen Eltern durch das Nicht-darüber-reden ihre Kinder schützen und vor Kummer bewahren.  

Wenn zum Beispiel ein Elternteil schwer krank ist, Eltern Geldprobleme haben oder sich trennen wollen, spüren Kinder, dass die Eltern in Sorge sind. Kinder ahnen, dass etwas nicht in Ordnung ist. Nicht darüber aufgeklärt zu werden, macht Kindern ganz besonders zu schaffen. Manche Kinder neigen dazu, das Schweigen mit ihrer eigenen Fantasie auszufüllen. Manchmal hat das Schweigen auch den Effekt, dass Kinder die Schuld bei sich suchen. Indem die Kinder nicht ernst genommen werden, können Unsicherheit, Missverständnisse, sogar sogenannte Familiengeheimnisse entstehen.  

Wenn Eltern mit ihren Kindern offen und altersgerecht über Krankheiten, Probleme und Krisen sprechen, schafft das Vertrauen und Sicherheit. Und dann sind auch die Rechte des Kindes auf Beteiligung und Information gewahrt. 

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Eure Kommentare

Ja, sehr guter Beitrag!
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Danke das sie diesen beitrag machen