Eure Geschichten

Schnee der Ver­gan­gen­heit - Ei­ne (Nach-)Weih­nachts­ge­schich­te #4

Jakob

Es klopfte an der Tür. Langsam drehte ich mich um. Papa hatte Besuch angekündigt und das musste er sein. Ich ging vorsichtig zu meiner Zimmertür und öffnete sie. Herein trat Papa. Hinter ihm stand ein Junge. "Guten Morgen, Feliz. Du wolltest ja nicht auf die Reise gehen. Also habe ich dir hier Jemanden als Begleiter mitgebracht.". Ich starrte Papa entgeistert an. Das konnte doch nicht sein Ernst sein! Der Junge trat zu mir."Ich bin Jakob.", stellte er sich vor." "Ich bin Feliz.", meinte ich. "Freut mich, dich kennenzulernen!", sagte Jakob und verbeugt sich leicht. "Hey, kein Grund, ein Drama um mich zu machen!", grinste ich, aber insgeheim mochte ich Jakob sehr gerne. "Dann lass ich euch mal alleine.", sagte Papa lächelnd und schloss die Tür. Ich sah ihm nach. Das hatte ihm nicht erwartet. Dann wandte ich meinen Blick wieder Jakob zu. Ich sah in mir genauer an. Jakob war ein dünner Junge mit hellen, blonden Haaren und blassen blauen Augen. Ich schätzte ihn auf 13 Jahre. "Wollen wir spazieren gehen?", fragte er plötzlich. "Es ist sehr kalt draußen!", meinte ich skeptisch. "Dann müssen wir uns eben dick einpacken!", sagte er. Der war mal motiviert! "Na dann.", meinte ich und ging zum Kleiderschrank. Ich zog die dicksten Dinge an, die ich dort fand und reichte Jakob einen Wintermantel. "Der ist ja für Erwachsene!", beschwerte er sich. Als ich ihn ansah, musste ich lachen. Die Ärmel hingen runter, und der Kragen war viel zu groß für seinen dünnen Hals. Jakob musste auch grinsen, stupste mich an und sagte: "Gib mir was Anderes!" Ich schaute in den Kleiderschrank, aber da war Nichts mehr. "Was Anderes gibt's nicht!", sagte ich unschuldig. "Oh.", meinte Jakob. "Komm, lass uns losgehen!", lachte ich.

Das war knapp!

Ich schob den Vorhang beiseite und ging durch den Spalt. Jakob folgte mir. Wir spazieren eine Weile schweigsam nebeneinander über das dicke Eis, bis Jakob plötzlich murrte: "Och neeeeeeee! Ich muss auf's Klo!" Ich zuckte mit den Schultern und meinte: "Da ist Nichts zu machen. Du musst zurück laufen." Jakob seufzte. "Wenn's sein muss. Aber warte hier!" "Ja klar!", sagte ich. Ich sah Jakob hinterher, bis er hinter einem Einblick verschwand. Plötzlich knackte es unter meinen Füßen. Vorsichtig neigte ich meinen Kopf nach unten. Das Eis hatte Brüche bekommen. Ich sprang, aber es war zu spät. Das Eis brach auf und mein Fuß steckte im Spalt fest. Ich fiel auf den Boden. Aber da war gleich Keiner mehr. Das Eis brach immer weiter und eine tiefe Schlucht entstand. Mein Fuß war frei. Ich rappelte mich hoch und sprang so weit wie es ging. Wenn der Spalt weiter aufbrach, würde es für mich kein Zurück mehr geben. Einen Augenblick schwebte ich über dem Abgrund, dann landete ich auf der anderen Seite. Ich rannte so schnell, wie es ging, zu dem Vorhang und meinem Zimmer zurück. Aber würde ich da sicher sein? Ich verdrängte den Gedanken und raste weiter. Überall um mich herum waren weitere Knackgeräusche zu hören und ein weiterer Spalt öffnete sich neben mir. Ich keuchte und sprintete gefühlt noch schneller. Ich sah den Vorhang vor mir und stürtzte neben ihm hindurch. 

Erklärungen von Papa

Außer Atem lag ich auf meinem Bett. Kein Spalt war bis zum Vorhang durchgedrungen. Ich schaute wieder nach draußen. Immer noch nicht. Ich beschloss, zu Papa zu gehen, und ihm von dem Ereignis zu erzählen. Wo war eigentlich Jakob? Ich schauder bei dem Gedanken, dass er möglicherweise in einen Spalt gefallen war. Ich stand auf und ging aus dem Raum. Vor mir war ein Flur, der in viele Zimmer führte. Ich sah mir die Schilder an den Zimmertüren an, bis ich Papas Namen fand. Ich klopfte an die Tür und ein "Herein!", war zu hören. Ich trat in Papas Zimmer. Ich war zum ersten Mal dort, und es sah wie Meins aus. Nur mit Bürokram. Papa meinte, während er auf die Tasten eines Laptops haute: "Was gibt's, Feliz?" "Ich bin mit Jakob spazieren gegangen.", fing ich an. "Jakob musste zurück und ich wartete auf ihn. Plötzlich tat sich ein Spalt auf. Ich wäre fast reingefallen. Er wurde immer breiter und breiter, ich konnte ihn sehr knapp entfliehen. Ich bin hierher gerannt und auf dem Weg haben sich immer mehr kleine Schluchten gebildet. Was war da los?" Papa schaute mich erst jetzt an, und sein Blick verließ nichts Gutes. "Der Frost hat unser Lager aufgespürt. Feliz, es ist höchste Zeit, dass du handeln musst." Ich seufzte. "Ja, jetzt fange ich wieder damit an. Aber es ist doch so, Feliz! Du musst das tun. Oder willst du, dass ich und die Anderen untergehen?" "Nei-" "Und willst du, dass du untergehst?" Ich sah ihn an. Er meinte das ehrlich. "Wie meinst du das?", fragte ich. "Auch du, Feliz, hast Snowy-Mountain-Blut in dir. Denkst du nicht, dass du nicht mit dem Schnee verbunden bist?" Darüber hatte ich noch gar nicht nachgedacht. Ich holte tief Luft und sagte mit offensichtlich großer Überwindung: Okay. Ich tue es Papa. Für mich und für dich und für Jakob." "Ach ja, Jakob.",  seufzte Papa. "Über ihn wirst du noch so Einiges erfahren... Aber jetzt breite dich vor. Großes steht vor dir, Feliz."

Fortsetzung folgt...

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