Eure Geschichten

Die Ma­gie der Wün­sche - Ka­pi­tel 4

Plötzlich berühmt

In der nächsten Pause kamen auch andere Schülerinnen und Schüler zu mir und stellten mir einige Fragen. Manche wollten sogar ein Autogramm haben. Ich gab ihnen alles was sie wollten - Antworten und Autogramme. Auf dem Weg nach Hause überlegte ich, warum das so sein könnte. Warum konnte ich Gedankenlesen? Wie war das möglich? Für mich gab es keine logische Erklärung. Aber eigentlich war ich fest davon überzeugt, dass man die ganze Welt mit Logik erklären konnte. Ich schob mein Fahrrad in den Garten und klingelte. „Hallo, du Süße! Wie geht’s? Wie war dein Tag?“, begrüßte mich Mom gleich. Oje, ich muss mich sputen, gleich ist mein nächster Termin. Das waren also Mom’s Gedanken in diesem Moment. „Hi Mom! Gut, war ganz okay.“, meinte ich nur, denn ich wusste ja, dass Mom nicht viel Zeit hatte. „Schön! Tut mir echt leid, ich muss jetzt gleich in meinen nächsten Termin. Das Mittagessen steht auf dem Herd, du musst es dir nur noch warm machen. Und Jacob sollte auch gleich kommen!“ „Okay, danke.“, sagte ich knapp.

Kaum hatte ich die Haustür hinter mir geschlossen, klingelte Jacob. Ich öffnete ihm und er stellte seine Schultasche mit einem lauten Rummsen auf der Treppe ab. Mann, war das ein Sch***-Tag! Wie soll ich Mom nur das mit der Fünf in Englisch erklären? Oh-oh! Das gab nachher bestimmt wieder Zoff! Wenn Jacob wirklich schon wieder eine Fünf geschrieben hatte, würde Mom bestimmt ausrasten. Denn das wäre dann schon die zweite Fünf in diesem Schuljahr in Englisch gewesen. Vielleicht konnte ich mich aber zu Oma Lil verkriechen, wenn Jacob Mom die schlechte Note beichten wollte. Dann müsste ich zumindest diesen Konflikt nicht miterleben. Ich spazierte in die Küche und machte das Essen für Jacob und mich warm. „Jaaaacooooob! Essen ist fertig!“, brüllte ich. „Ich koooooommeeeeee!“, plärrte Jacob zurück.

Geständnis an Oma

Nach dem Essen wollte ich am liebsten gleich zu Oma Lil flüchten. Vielleicht konnte ich ihr das ja auch erzählen? Vielleicht konnte sie mir helfen und mir sagen, was ich jetzt tun sollte. Ich schwang mich auf mein Rad und trat so stark in die Pedale wie schon lange nicht mehr. Ich wollte zu Oma! Oma würde mich sicher helfen können! Als ich dort ankam, klingelte ich Sturm und natürlich öffnete Oma Lil mir auch gleich. „Hallo, mein Goldstückchen! Wie geht es dir? Du bist ja so aufgedreht!“, begrüßte mich Oma. Ist ihr etwas Schlimmes passiert? „Hallo Oma Lil, mir geht es gut, danke. Und mir ist nicht Schlimmes passiert. Also ja, doch…vielleicht…ich weiß nicht…also ob das jetzt was Schlimmes ist…ich…“ „Komm doch erstmal rein. Ich koche uns beiden einen Tee und hole ein paar Kekse und dann kannst du mir alles ganz in Ruhe erzählen.“ Ich schloss die Tür hinter mir langsam und schaute mich in Oma’s Flur um. An der rechten Wand hingen viele Bilder. Bilder von mir, von Jacob, von Mom, von Dad und von Jack. Ich schaute mir jedes einzeln der Reihe nach an. Bei einigen musste ich schmunzeln, zum Beispiel bei einem Foto, auf dem Jacob mich in den Sand eingegraben hatte und nur noch mein Kopf aus dem Sand herausschaute. Damals waren wir in der Karibik gewesen. Das war schon viele Jahre her, bestimmt fünf oder sechs Jahre. „Die guten alten Zeiten.“, seufzte ich leise. „Ohja, früher, das waren gute Zeiten!“, riss mich Oma Lil, die sich anscheinend leise angeschlichen hatte, aus meinen Gedanken. „Der Tee ist fertig, mein Kind. Komm zu mir ins Wohnzimmer, hier ist es doch so ungemütlich im Flur.“, meinte sie.

Ich zog meine Schuhe und meinen Mantel aus und setzte mich in Oma’s großen weichen Ohrensessel. „Hach, Omi, hier ist es so schön!“, erklärte ich, denn das fühlte ich gerade. „Was liegt dir auf dem Herzen, Scarlett. Ich spüre doch, dass du mir irgendetwas sagen möchtest.“ „Weißt du, Omi, ich…ich weiß, dass du mir das nicht glauben wirst, aber es ist einfach so! Ich weiß auch nicht warum! Ich…ich…ich…ichanngedannenlesn!“ „Du kannst Gedanken lesen?“, fragte Omi prompt. Sie verstand mich immer, selbst wenn ich so sehr nuschelte. „Ja“, ich schluckte, „ich kann Gedanken lesen.“ Und auf einmal fing ich an zu weinen. Erst war es nur eine kleine Träne aber aus dieser bildeten sich schnell zwei Tränenbäche. Omi stand sofort auf und reichte mir ein Taschentuch. Dann nahm sie mich in ihren Arm und ich genoss es, einfach mal weinen zu können. Einfach mal alles rauslassen zu können. Einfach mal ich sein zu dürfen! Nachdem ich mich wieder halbwegs beruhigt hatte, schnäuzte ich noch einmal kräftig in mein Taschentuch. Dann sah ich Oma Lil erwartungsvoll an. 

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