Eure Geschichten

Das ver­wun­sche­ne In­ter­nat Ka­pi­tel 6

Magie im Schlafzimmer und eine üble Nacht

„Marie?“ Emma zog ihren Schlafanzug aus dem Kleiderschrank.
„Ja?“, fragte Marie und griff nach ihrem MP3-Player. Ihre Schwester schmunzelte.
„Also, das hört sich jetzt sicher verrückt an, aber … Könnte es vielleicht sein, dass … Ganz theoretisch, unter Umständen  …  dass Lillys Hitze in den Händen und das Zeichen des Turms, beides gar kein Zufall war?“
Marie atmete tief durch und setzte sich auf Emmas Bett. „Das Thema hatten wir doch schon. Und alle anderen haben sich auch damit abgefunden, dass es ein Zufall war.“ Sie winkte Emma dazu, sich hin zu setzen „Und wieso denkst du überhaupt über so etwas nach? Das ist Lillys Problem und nicht unseres.“
„Das ist jetzt aber echt fies für Lilly. Wir sind ihre Freundinnen und sollten sie unterstützen! Was ist eigentlich bei der Arbeit mit dem Mikroskop raus gekommen?“
„Ach, wie Lilly gesagt hat, alles umsonst. Kein Sandkorn stimmt mit dem Material des Steins überein. Außer dass beides aus Steinen besteht. Aber das hätten wir uns auch denken können.“ Marie sprang von Emmas Bett zu ihrem. Doch Emma hatte keine Lust zum Springen. Müde legte sie sich hin, und zog die Decke bis zum Hals. Irgendwie kam ihr das Ganze immer noch seltsam vor. Was spielte sich in diesem Internat ab? Und wieso geschahen so merkwürdige Dinge? Egal, dachte sie. Morgen geht der Unterricht los. Dann bin ich abgelenkt.

Marie blieb noch ein bisschen wach. Verträumt nahm sie sich ihre Kopfhörer und schaltete ihr Lieblingslied ein.
„La la -la la, da da-da da …“, sang sie vor sich hin. Doch plötzlich stockte Lied und verstummte schließlich komplett. Wütend griff Marie nach dem MP3-Player. Nervös versuchte sie andere Lieder ab zu spielen, doch vergeblich. Die Lieder waren und blieben aus.
„Oh, du blödes Mistding! Schon zu Hause hast du immer Ärger gemacht. Aber warte nur bis ich mir einen neuen leisten kann. Dann werde ich dich nie wieder benutzen, großes Indianerehrenwort!“, schrie sie. Aber dann fiel ihr ein dass sie nicht alleine im Haus war und lauschte einen Moment. Hatte sie jemanden geweckt? Anscheinend nicht, aber so genau konnte sie das nicht hören, denn auf einmal machte es: „pling!“, und Marie hielt einen rosanen Pfeilbogen in der linken Hand, und in der rechten ungefähr 15 Pfeile. „Was soll ich denn damit? Und wo kommt das her?“, murmelte sie. War an der Sache mit der Magie von Emma doch etwas dran? Kurz überlegte sie, ihre Schwester zu wecken, entschied sich dann aber doch dagegen. Schließlich war es schon 10:00 Uhr am Abend.

Aber da klopfte jemand gegen die Tür. Marie lief hin und öffnete sie. Im Flur stand eine vor sich hin murmelnde Louise, die immer wieder das Wort: „Magie!“ sagte.
„Komm rein Louise. Habe ich dich geweckt? Das tut mir leid, aber …“
Louise schüttelte den Kopf. „Nein, ich glaube du hast niemanden geweckt. Oder zumindest nicht mich. Ich war noch gar nicht im Bett. Aber weißt du etwas schreckliches ist passiert!“
Marie und Louise riefen beide gleichzeitig: „Magie! Es gibt Magie!“
Da wachte Emma auf. Anscheinend hatte sie schon länger zugehört. „Habe ich doch gesagt! Aber ihr wolltet mir ja nicht glauben.“
Sie stand auf und holte eine Schale mit Äpfeln, die sie dann auf einen Tisch in der Mitte des Zimmers stellte. Marie begriff sofort was Emma dachte und schob einen dritten Stuhl an den Tisch. Dankbar lächelte Louise Emma und Marie zu. Dann setzte sie sich auf einen der Stühle. Die Schwestern machten es ihr nach.
„Also“, fing Louise an zu erzählen. „Gestern habe auf dem Boden im Speisesaal eine Kette mit einem Drachen als Anhänger gefunden. Ich habe mir nichts dabei gedacht und ihn mitgenommen. Aber dann …“ An dieser Stelle stoppte sie kurz. Etwas ängstlich strich sie sich über ihre zerzausten, blauen Haare. „Und dann ist sie mir runter gefallen, und … Na dann ist …“
„ … sie kaputt gegangen?“, fragte Marie. Doch Louise schüttelte den Kopf.
„Nein, dann ist ein Drache durch das Fenster in mein Zimmer geflogen! Und stellt euch das vor: Er sah genauso aus wie der auf der Kette!“
Das war selbst für Emma – die sonst an wirklich alles glaubte das irgendwie mit Magie zu tun hatte – etwas zu viel. Das musste sie einfach mit eigenen Augen sehen.
„Ist er noch da?“, erkundigte sie sich deshalb.
Louise nickte.
Marie starrte ihre Freundin ungläubig an. Schon während der Erzählung von Louise war ihr die Kinnlade runter geklappt, und sah jetzt aus als würde sie gleich abfallen. Doch zum Glück machte sie ein paar Minuten später den Mund wieder zu. „Dürften wir ihn vielleicht sehen?“
„Klar, kommt mit. Dann kann ich euch auch gleich zeigen wo mein Zimmer ist. Oh, und bitte seid leise. Ich möchte nicht, dass Carlotta aufwacht. Sie erschreckt sich sonst noch.“
Louise teilte sich nämlich mit Carlotta ein Zimmer, und Carlotta war meistens ängstlicher als sie aussah. Bei einem Drachen in ihrem Zimmer würde sie bestimmt einen Herzinfarkt bekommen.

Ein Drache in Louises Zimmer

Ein paar Gänge weiter befand sich das Zimmer von Louise und Carlotta. Emma drückte vorsichtig die Klinke der dunkelbraun gestrichenen Holztür auf und schaute hinein. Wie in ihrem Zimmer auch, lag Carlotta in dem Bett links, während Louises Bett rechts stand. Zwei Kleiderschränke und zwei Nachttische entdeckte Emma auch.
„Pst“, zischte Louise und zeigte auf ihren Kleiderschrank. Anscheinend war der Drache da drin.
Langsam ging Marie auf den großen Schrank zu. Zögernd griff sie nach dem Knauf. Emma stellte sich schützend vor Carlotta. Währenddessen hob Louise die Kette vom Boden auf und hielt sie zur Sicherheit bereit. Als alle auf ihrer Position waren, nahm Marie ihren ganzen Mut zusammen und öffnete die Schranktür. Zitternd wich sie einen Schritt zurück. Keine Sekunde zu spät. Schon sah man einen feuerroten Flügel, und kurz darauf auch einen feuerroten Kopf. Doch der Drache schien mehr Angst zu haben als die drei Freundinnen zusammen, denn als Marie auch die zweite Schranktür öffnete, hätte er normalerweise raus springen müssen, um die Mädchen an zu greifen (So kannten Emma und Marie es zumindest aus ihren Büchern). Aber der Drache sah den Schwestern mit ängstlicher Miene in die Augen, breitete seine Flügel aus, und war mit einem Flügelschlag bei Louise angekommen. Louise lief ein kalter Schauer über den Rücken. Doch da kuschelte der Drache sich in Louise Arme. Dann schlief er ein. Für einen kurzen Moment war alles still im Zimmer. Aber auf einmal redeten alle durcheinander.
„Der scheint dich zu mögen!“, rief Emma fröhlich.
„Cooles Haustier. Nur mit dem Schulleiter wirst du Stress haben“, meinte Marie.
Von dem ganzen Lärm wurde Carlotta wach.
„W-was ist hier …?“, murmelte sie verschlafen. Müde sah sie sich im Raum um. Sie erblickte Marie, Emma, … Und eine hellwache Louise mit einem Drachen auf dem Arm! Erschrocken versteckte sich Carlotta unter ihrer Bettdecke. Schreiend trat sie mit ihren Beinen um sich.
„Ich will hier raus! Ich will hier raus! Pack den Drachen weg! Pack ihn weg!“
„Ist ja gut. Ist ja gut. Nur keine Panik. Der tut doch gar nichts, guck?“, erwiderte Louise etwas genervt. Trotzdem verabschiedete sie sich von dem Drachen und ließ ihn durch das Fenster raus fliegen.
Vorsichtig guckte Carlotta unter der Decke hervor.
Louise nickte ihr aufmunternd zu. „Erstens war er ganz lieb, und zweitens ist er jetzt weg. Also kannst du jetzt raus kommen.“
„Neh, ich glaube ich bleibe vorsichtshalber noch ein paar Minuten hier drunter. Nur zur Sicherheit falls er noch einmal her kommt“, entschied sich Carlotta und verschwand wieder.
„Ich sollte auch wieder schlafen gehen“, meinte Louise. Mit einem Sprung war sie in ihrem Bett.
„Gute Nacht!“ Marie und Emma verabschiedeten sich, und schlichen über den Flur in ihr Zimmer.

Als Emma die Lampe ausmachte, war Marie schon eingeschlafen. Klar, sie hatte diese Nacht ja auch noch kein Auge zugemacht. Aber auch sie selbst war sehr müde. Also kletterte sie auf die weiße Matratze in ihrem Bett, und schlief ein.

Der nächste Tag

Am nächsten Morgen wachte Carlotta als erste von den vier (Marie, Emma, Louise und Carlotta) auf.
Schwungvoll öffnete sie ihren Kleiderschrank. Dabei sah sie zu Louises Schrank hinüber. Komisch, er stand offen. Aber wieso? Vielleicht konnte sie Louise ja beim Frühstück danach fragen. Doch jetzt machte sie erst mal den Schrank wieder zu. Sonst fielen noch Klamotten raus. Louise lag noch schlummernd in ihrem Bett. Na toll, der erste Unterrichtstag im Internat Wittekindsburg und Louise verschlief. Aber Carlotta war sauer auf Louise, weil sie gestern einen Drachen in ihr Zimmer gebracht hatte. Deshalb ließ sie ihre Freundin weiter schlafen, und verließ den Raum.
Bei Emma und Marie dagegen war schon einiges los. Wegen der Müdigkeit liefen die Schwestern wie Zombies mit unterlaufenen Augen und zerzausten Haaren durch das Schlafzimmer.
Erst als Emma sich unter die Dusche stellte, und das lauwarme Wasser über ihren Rücken fließen fühlte, wachte sie richtig auf. Marie erging es genauso. Nachdem die zwei ihre Haare geföhnt hatten, begaben sie sich in den Frühstücksraum. Eine großer Schwarzwälder Standuhr spiegelte sich in dem glatten Marmorboden, und die langen, roten Gardinen sahen aus, als würden sie sich im leisen Takt der Klaviermusik bewegen. Marie entdeckte auch noch ein paar runde Holztische mit je sieben Stühlen daran, und ein Buffet das ganz am Ende des Zimmers aufgebaut war.
„Eigentlich sieht es hier mehr aus wie in einem Hotel“, fand Emma. „Die haben hier ja sogar einen Speisesaal und ein Frühstücksraum. Kann man nicht alle Mahlzeiten im Speisesaal machen?“
„Nein das kann man hier nicht. Das sagt zumindest Herr Drossel. Er möchte dass alles hier im Internat perfekt ist!“ Auf einmal erschien hinter den Schwestern eine junge Dame mit einer sportlichen Figur und einer weißen Schürze um den Bauch. In ihrer Hand hielt sie ein Tablett mit frischen Brötchen. Sie schien das Tablett gerade zum Buffet bringen zu wollen.
„Hallo, ich bin Emma“, stellte Emma sich vor. „Und ich bin Marie“, fügte Marie stolz hinzu.
„Oh, hi, ich heiße Charlotte. Aber hier auf dem Internat nennen mich alle Frau Lensen.“

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