Eure Geschichten

Schnee der Ver­gan­gen­heit - Ei­ne (Nach-)Weih­nachts­ge­schich­te #7

Wo ist Finn?

"Finn ist verschwunden!", brachte Jakob als Erster von uns Beiden hervor. "Das habe ich auch schon bemerkt.", antwortete ich. Ich wusste nicht, was ich von den Geschehnissen halten sollte. War ich froh oder er sorgenvoll, weil Finn verschwunden war? Wo war er jetzt? "Ich weiß nicht.", murmelte Jakob. Hatte ich meine Gedanken laut ausgesprochen... Oder war... Das konnte nicht sein. Wieso hatte er denn so etwas nicht nie zuvor getan? "Lass uns weiter.", meinte Jakob und schulterte seinen Rucksack. "Alles klar.", antwortete ich leise und wir traten aus dem Dorf. Wir gingen wortlos weiter, bis wir saß Dorf nicht mehr sehen konnten, dann schlafen wir unser Zelt auf. Ich fühlte mich aus irgendeinem Grund niedergeschlagen und müde, vielleicht lag das daran, dass ich ohnmächtig war. "Hilfst du mir gleich bei den Steinen?", fragte Jakob. Ich nickte und gähnte. Dann setzte ich mich in eine kleine Senke, über mir war ein Eis-Vorsprung. Sonderlich warm war es nicht, war auch zu erwarten, aber geschützt vor dem Wind. Und mehr brauchte ich auch nicht. Ich benutzte meinen Rucksack als Kissen und legte meinen Kopf auf ihn. Ich wollte nur noch schlafen... "Hey." Jakob stupste mich sanft an. "Du darfst hier nicht einschlafen. Geh in's Zelt." "Was ist mit den Steinen?", gähnte ich, obwohl ich absolut keine Lust hatte, schwere Steine durch die Gegend zu schleppen. "Das mach ich alleine. Geht jetzt.", meinte Jakob und ich rappelt mich auf. Fast hätte ich meinen Rucksack vergessen, also schleifte ich ihn mir mir über den Boden. Danach ließ ich mich voll bekleidet mit dem extrem dicken, gefütterte Pelz-Mantel in's Zelt fallen und schlief sofort ein.

Die Vision

"Willkommen.", hörte ich Jemanden. Ich richtete mich auf. Aber ich war nicht im Zelt, sondern in einer Großstadt. Jede Menge Menschen tummelten sich um mich herum - Und durch mich hindurch. "Komm zu mir." Ich sah mich suchend um. Ich konnte Niemanden entdecken. "Hier!" Ich sah eine Frau, sie trug einen dunkelroten Samtumhang und eine Kapuze verdeckte ihr Gesicht. Wer war sie? Die Gestalt kam mir bekannt vor. Ich ging zu ihr. Sie stand zwischen zwei Hochhäusern, eine menschenleere Ecke. "Mein Name ist Jean." "Jean! Aber..." "Ich weiß, dass ich mal keine guten Absichten hatte. Aber Finn hat mich befreit... Finn... Lass uns seine Lebensgeschichte erkunden." Jean nahm mich an die Hand und lief ein paar Schritte. Plötzlich veränderte sich die Umgebung. Hütten erschienen um uns herum und Schnee fiel vom Himmel. Kinder tollten lachend über die Wege und ein Schneeball flog auf mich zu. Ich duckte mich sofort. "Wir sind nicht wirklich hier. Niemand sieht dich und dir kann Nichts passieren.", erklärte Jean. Ich nickte, auch wenn ich Nichts verstand. Dann wandte ich meinen Blick wieder den Kindern zu. Als ich genauer hinsah, entdeckte ich Finn mit einer Jagdmütze. Danach sah ich Finn in einer Art Büro sitzen. Er war jetzt jugendlich und hatte wuschelige, abstehende Haare. Goldbraune Haare. Vor ihm war ein Haufen Arbeitsblätter und er sah nicht so aus, als ob der jugendliche Finn die Aufgaben schnell lösen könnte. Dann tauchte Finn wieder auf, jetzt erwachsen, so alt wie er momentan war. Er stapfte im Schnee zielstrebig in eine Richtung. Vor ihm tauchte ein Dorf auf. Finn kehrte zurück in sein Geburtsdorf. Dann verschwand die verschneite Landschaft und Jean und ich standen wieder in der Großstadt. "Feliz. Finn ist der Bruder deines Vaters.", flüsterte sie. Ich sah sie mit großen Augen an. Plötzlich fuhr ich hoch. Dick eingepackt lag ich in einem roten Zelt. Mein Traum - Meine Vision - war vorbei.

Endlich die Wahrheit

"Hey.", meinte plötzlich Jakob. "Was ist in dich gefahren?" "Ich hatte einen Traum...", erklärte ich. Und dann erzählte ich Alles. "Finn ist dein Onkel?!", rief Jakob aus. "Richtig.", antwortete ich. "Und was ist mit Finn passiert?" "Das hat Jean mir nicht erzählt." "Wieso erzählt sie dir nicht Alles?!", stöhnte Jakob enttäuscht. "Visionen sind eben so.", antwortete ich, auch wenn ich noch nie Eine gehabt hatte... Doch! Ich hatte schonmal Eine. Eisiger Wind, dunkle Gassen und der Frost... Jakob sah mich an, aber er schien abwesend. "Du hast mir etwas nicht erzählt, nicht wahr?", fragte er flüsternd. "Aber ich habe dir auch etwas zu sagen."

"Ich stamme aus einer Familie, die ein besonderes Talent hat. Gedanken lesen. Wir sind die einzige Familie auf der ganzen Welt mit dieser Fähigkeit. Ich hab geschworen, es nie Jemandem zu erzählen, aber in einer solchen Krise... Und du bist anscheinend noch mächtiger als wir Alle zusammen. Du beherrscht den Schnee der Vergangenheit." "Ich hab noch nie etwas Magisches an mir gespürt - Und schon gar nicht habe ich auf irgendeine Weise Magie angewendet!", platzte ich heraus. "Ich mag vielleicht den Schnee beherrschen, aber ich kann keine Magie nutzen!" "Da liegst du ganz falsch.", flüsterte Jakob. "Deine Visionen." "Du weißt von meiner Vision?" "Ja." Ich schluckte. Hatte Jakob die ganze Reise schon meine Gedanken durchforstet? "Würdest du deine Nase in Dinge reinstecken, die dich Nichts angehen?", fragte ich vorsichtig. "Nein, niemals. Ich bin da anders als meine Eltern.", antwortete Jakob sofort. "Sie sind geizig, egoistisch und rücksichtslos. Das sind eigentlich Alle aus meiner Familie." War er das nicht auch? Vielleicht verbarg er es?... "Kannst ich dir trauen?", fragte ich vorsichtig. "Ja. Aber ich verstehe es, wenn du Nichts mehr mit mir zu tun haben willst-" "Doch, natürlich will ich das noch.", meinte ich zärtlich und hielt Jakob einen Schokoriegel hin, der aus meinem Rucksack gefallen war. Wir schlüpften aus dem Zelt und wie immer empfing mich eisiger Wind. Ich seufzte. Manchmal wünschte ich doch, ich wäre hier nie mitgegangen. Aber ich war mir sicher, dass nich Einiges auf mich und Jakob wartete.

Fortsetzung folgt...

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