Eure Geschichten

Schnee der Ver­gan­gen­heit - Ei­ne (Nach-)Weih­nachts­ge­schich­te #8

Die Auserwählte des Schnees der Vergangenheit

Ich seufzte. Wie lange sollte das noch so weitergehen? Jakob und ich waren schon eine Woche im ewigen Eis unterwegs und wir schienen keinem Ziel näher zu kommen. Mein Rucksack fühlte sich viel schwerer an, als zu Beginn der Reise, obwohl er sich ja geleert hatte. Das war auch ein Thema. Unsere Vorräte waren bald aufgebraucht und sich dauerhaft von Schokoriegeln und ähnlichem zu ernähren, war nicht gesund. Mein Magen fühlte sich sehr leer an, obwohl wir erst vor kurzem gegessen hatten und ich fühlte mich etwas schwindelig. "Jakob... Ich glaub, wir müssen Pause machen." Er sah mich an und ich seufzte noch einmal. Er war ganz anders, seit er mir sein Geheimnis verraten hatte. Viel ernster. Seine alberne Art und seine schlechten Witze gehörten mittlerweile der Vergangenheit an. Aber vielleicht war er auch einfach nur genauso verzweifelt wie ich.

Ich schloss die Augen...

Nur ein wenig Träumen...

Plötzlich ließ der eisige Wind nach. Ich öffnete meine Augen und fand mich auf einer Blumenwiese wieder. Die Sonne schien golden auf die Wiese und die Blumen selber leuchteten in allen erdenklichen Farben. "Das habe ich so lange vermisst", sagte ich leise. Ich fühlte mich gar nicht mehr hungrig und erschöpft. Ich wollte nur für immer hierbleiben. Plötzlich sah ich eine alte Frau. Sie pflückte Blumen und schimpfte dabei lautstark über ihre Rückenschmerzen. Sie schien nicht in diese Welt zu passen. Ich holte tief Luft, ging zu ihr und fragte: "Kann ich ihnen helfen?" "Natürlich kannst du das, Mädel", krächzte die Frau. "Kannst du das etwa nicht sehen?" Ich nahm die Hand der Frau und sie richtete sich auf. Ihre Augen hatten eine seltsame Farbe. Sie waren gelb. "Bist du Feliz?", wollte sie wissen. "Ja, die bin ich", antwortete ich. "Nun gut, dann habe ich eine Botschaft für dich", meinte die Frau. "Du bist nicht die Auserwählte des Schnees der Vergangenheit. Du bist mächtiger, als eine Auserwählte jemals sein würde" "WAS?!", rief ich. "Erzähl mir mehr!" Aber die Frau blickte nur mit ihren unheimlichen Augen in meine und verschwand einfach.

Plötzlich hörte ich einen laute Stimme. "Feliz? Feliz!?" Ich blinzelte einmal und befand mich wieder in dem ewigen Eis. "Du-du warst weg", meinte Jakob ängstlich. "Du hast einfach nur dagestanden und hast ins Leere gestarrt. Geht's dir gut?" Er wirkte wieder ein bisschen wie der alte Jakob. "Ja", flüsterte ich. Was hatte die alte Frau gemeint? Ich war mächtiger als der Schnee der Vergangenheit!

Blaues Licht

In der Nacht war ich schlaflos. Ständig musste ich an die Worte der alten Frau denken. Wer war sie überhaupt und konnte ich ihr wirklich vertrauen? Ich hatte nur mehr Fragen durch sie bekommen. Ich setzte mich auf. Ich konnte Jakobs Schnarchen hören - er war im Tiefschlaf. Ich zog mir meinen Mantel über und meine Stiefel an und ging dann aus dem Zelt. Ich wollte ein bisschen die Gegend erkunden. Plötzlich erschien etwas. Blaues Licht tat sich vor mir auf. Hellblaues, altbekanntes Licht. Ein Riss in der Luft erschien und wieder - immer größer. Ich steckte meine Hand in meine Manteltasche und drückte die Schneekugel. In dem Portal sah ich - unser Haus. "Feliz- Nein!", rief plötzlich Jakob. Er kam verzweifelt auf mich zugerannt. "Wenn du jetzt nach Hause gehst, können wir den Frost niemals aufhalten! Bitte bleib hier Feliz!" Die Luft begann plötzlich zu flimmern. Um das Portal herum. Es wurde langsam kleiner und löste sich auf. "Nein", flüsterte ich. Tränen bildeten sich in meinen Augen. "Meine Chance -" "Du weißt selbst, dass du das nicht darfst", meinte Jakob traurig. "Ja", schluchzte ich. Plötzlich begann die Erde zu beben. Langsam wurde ein prächtiges, riesiges Schloss sichtbar - aus Eis. "Renn!", schrie Jakob. "Wir wissen nicht, wie lang es sich erstrecken wird!" Ich begann zu rennen. Und ich war mir in einer Sache sicher: Dieses Schloss gehörte niemandem geringeren als dem Frost.

Fortsetzung folgt...

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OMG! Das ist sooo spannend!!!!!
Cool!
Du schreibst so schön lang!