Eure Geschichten

Schnee der Vergangenheit - Eine (Nach-)Weihnachtsgeschichte #9

Der beste Freund

Jakob und ich betrachten sorgenvoll aus sicherer Entfernung, wie das Schloss aus Eis sich aus dem Boden erhob. Es war genauer gesagt eine Burg. Eine prächtige, kristallene Burg. "Was sollen wir tun?", flüsterte ich. Jakob zuckte mit den Schultern. "Du bist die Anführerin." "Nein, das war ich nie!", sagte ich erschrocken. "Sei doch nicht albern.", meinte Jakob sanft. "Wie kannst du nur so ruhig sein?", brauste ich auf", beruhigte mich aber gleich. Möglicherweise war das der letzte Moment meines Lebens und da wollte ich mich nicht mit meinem besten Freund streiten.

Ich stutzte. Ich sah Jakob wirklich schon als meinen besten Freund! "Die Hoffnung stirbt zuletzt.", meinte Jakob entschlossen. Ich schluckte. Ich mochte es nicht, wenn er in meine Gedanken eindrang. Ich sah wieder zum Schloss und ein kalter Schauer durchdrang mich. Es war mittlerweile komplett aus der Eisschicht des Bodens aufgestiegen und stand unheilvoll vor Ihnen.

"Komm", murmelte ich und lief vorsichtig zu dem Schloss. Mir war sehr unbehaglich und ich überlegte mit, ob es wirklich richtig gewesen war, auf diese Reise mitzukommen. Jakob und ich gingen eingeschüchtert über eine Brücke. Unter uns glänzten rasiermesserscharfe Eiszapfen. Wir begannen zu rennen. Als wir vor dem gigantischen Schlosstor standen, hörte ich plötzlich ein Geräusch von einem uralten Mechanismus, der wieder in Gang gesetzt wurde. Die Brücke klappte sich hoch und ließ die glänzenden Eiszapfen zurück.

"Es gibt jetzt kein Zurück mehr.", flüsterte Jakob. Und zusammen traten wir ins Schloss. Alles war aus Eis. Der Boden, die Decke, die Wände und auch ein Thron. Treppen führten hoch zu einem oberen Stockwerk, indem unzählige Nebenzimmer lagen. Die Stimmung war unheimlich, irgendwo tropfte Wasser von der Decke und keine Menschenseele war zu sehen. Aber trotzdem spürte ich, dass jemand anwesend war. Etwas strich die ganze Zeit um mich herum und ab und zu dachte ich, etwas wirbelnde Schneeflocken gesehen zu haben.

"Ist dir auch so komisch?", zitterte ich. "Was meinst du?", fragte Jakob ernst. Seine Stimme klang hektisch. Ich schluckte. "Etwas ist hier - Ich kann es spüren." Plötzlich nahm etwas Gigantisches vor uns Gestalt an. Eine riesige Wolke, die vom Boden bis zur Decke reichte - Bestimmt 20 Meter hoch, tauchte vor uns auf. Schnee wirbelte in ihr herum und ab und zu vernahm ich böse funkelnde Augen in der Wolke.

Die Begegnung

"D-das i-ist d-der F-frost.", zitterte Jakob. Er bekam kaum ein Wort heraus. "Wie schön, dich zu sehen!", begrüßte der Frost mich höhnisch. Seine laute, dröhnende Stimme hallte von allen Wänden ab. "Was meinst du, du hinterlistige Kreatur?!", forderte ich den Frost heraus. Er knurrte. "Wie kannst du es nur wagen, mich so zu nennen? Du weißt nicht, wie viele Geheimnisse du hast und bei dir trägst. Du kennst sie aber nicht." Er lachte laut und böse. "Lass uns kämpfen.", antwortete ich ungerührt. Ich war gar nicht mehr ängstlich oder schüchtern. "Du kämpfst gegen deine eigene Schöpfungskraft?", lachte der Frost.

"NEIN!", schrie ich. "Du Lügner! Ich kenne meinen Vater!" "Er ist aber nicht dein Vater! Ich solltest es doch besser wissen!", kicherte der Frost. "Du hast keine Familie, meine liebe Feliz. Du bist durch mich entstanden - und wie bedauerlich - du wirst auch durch mich aus dieser Welt verschwinden." Plötzlich stürzte eine Welt um mich zusammen. Erinnerungen, von meinem Vater und meiner Mutter waren alle nicht wahr gewesen. Ich vergrub mein Gesicht in meinen Händen und begann zu schluchzen. Ich wollte nur weg hier.

Plötzlich legte Jakob seine Hand auf meine Schulter. "Du darfst nicht aufgeben, nicht jetzt!", flüsterte er. "Mach das jetzt. Ich glaube an dich - Und wenn du es schaffst, spendiere ich dir ein Eis." Ich sah ihn dankbar für seinen schlechten Witz an. Ich wollte nur ihn bei mir haben. Jakob schloss seine grünen Augen und öffnete sie dann wieder. "Hör mir jetzt gut zu.", meinte er. "Versuche, tief in deinen Kopf zu gehen. Deine Visionen, deine Telepathie ist der Schlüssel. Zerstör den Frost von innen heraus."

"Woher weißt du das?", wollte ich wissen. Meine Stimme zitterte immer noch. "Frag nicht. Und jetzt tu es.", meinte er. Ich schloss meine Augen. Ich versuchte, an den Frost zu denken, und an meine Kraft. Plötzlich ergriff mich Ruhe. Ich blickte auf und sah mich in der Wolke, in dem Kopf des Frosts wieder. Ich nahm eine Schneeflocke aus seinem Wirbel und pustete sie weg. "Hallo.", begrüßte ich den Frost. Seine Stimme erklang überall um mich herum. "Was machst du in meinem Kopf?" "Das kann ich dir sagen.", antwortete ich mutig. Ich schloss nicht einmal die Augen und plötzlich hatte ich eine Flamme in meiner Hand. Ihr Licht leuchtete warm und golden und mir wurde so warm wie schon lange nicht. Sie tat mir nicht weh - im Gegenteil, sie wärmte mich angenehm auf meiner Hand.

"Was tust du da?", zischte er, in seiner Stimme klang Panik mit. Ich antwortete nicht und meinte nur: "Meiner Meinung nach hast du mich nicht erschaffen. Ich bin ein ganz normales Mädchen aus dem Norden." Ich sah in tapfer am und plötzlich wurde das Feuer in meiner Hand immer größer. Ich setzte es sanft auf den Boden und hüpfte aus der Wolke. Ich schwebte sanft zurück zu meinem Körper, Jakob hielt ihn sorgenvoll an der Hand. Ich schloss die Augen und fand mich wieder in meinem kalten, tauben Körper wieder. Der Frost rief plötzlich: "Nein! Du -" Aber dann erstarrte er plötzlich, blickte ein letztes Mal in meine Augen und dann verkleinerte er sich plötzlich. Die Wolke fiel in sich zusammentun nur noch ein kleines Häufchen Schneeflocken blieb übrig. Als ob ich von Jemandem gelenkt wurde, nahm ich einen Beutel aus meinem Rucksack, und füllte den Schnee in ihn. "Er wird wichtig sein.", meinte ich zufrieden. Und dann gingen Jakob und ich Hand in Hand aus dem Schloss - Sich dem Triumph bewusst.

Das Ende... Aber nur vorerst...

 

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Eure Kommentare

Da stimme ich den beiden absolut zu ! 

Ich bin auch extrem beeindruckt! Das ist eine der besten Geschichten auf Kindersache!

WOW!

Das ist so....WOW!

Einfach MEGA wie gut du schreiben kannst!!!!!

Du könntest eine richtige Schriftstellerin sein!